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Die Ausbildung in Zeiten von Corona ist nicht einfach. Die häufigste Supportanfrage an unser Team von Notarztkurs.com ist, ob der jeweilige Kurs überhaupt stattfindet oder wegen der Coronabeschränkungen bzw. des Lockdowns abgesagt werden muss. 

Grund genug, einmal ein Interview mit Herrn Daniel Marx, Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin und ärztlicher Leiter der Notarztkurse von MEDI-LEARN, zu führen. Das Team rund um Herrn Marx führt trotz der Pandemie-Situation aktuell Notarztkurse durch.


Notarztkurs.com: Hallo Herr Marx, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um uns Rede und Antwort zu stehen. Starten wir mit einer einfachen Frage: Wie viele Ärzte bilden Sie im sogenannten Notarztkurs (offiziell: „80-Stunden-Kurs zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin“) pro Jahr aus?

Daniel Marx: Zunächst vielen Dank für die Einladung. Wir haben 2020 ziemlich exakt 400 Ärzte ausgebildet. Dazu haben - zum Teil mehrere - Notarztkurse in Fürth bei Nürnberg, Düsseldorf, Fulda und Kiel stattgefunden. Keiner unserer Kurse ist ausgefallen, auch wenn wir hierfür die Kurse an sich immer wieder anpassen mussten.

Notarztkurs.com: Wie ist es möglich, trotz Lockdown die Schulungen durchzuführen?

Daniel Marx: Zunächst ist es so, dass wir neben den Dozenten des Kurses mit einem Orga-Team arbeiten. Dieses ist sowohl vor dem Kurs, als auch während des Kurses vor Ort und nach dem Kurs dafür verantwortlich, dass sowohl Teilnehmer als auch Dozenten sowie das Material immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. In der Praxisphase vor Ort befinden sich Verantwortliche für das Material, das Catering, die Teilnehmerbetreuung, die Dozentenkoordination und die Gesamtkoordination vor Ort am jeweiligen Schulungsort.

Die Gesamtverantwortung trägt dabei unser organisatorische Gesamtleiter. Dieser ist auch für das Hygiene- und Sicherheitskonzept zuständig, das zum einen die Durchführung der Notarztkurse in Zeiten von Corona ermöglicht und zum anderen die Sicherheit von Teilnehmern, Dozenten und Team gewährleistet. Wir sind uns sehr über die Verantwortung bewusst, Ärzte aus rund 90 Kliniken an einem Ort zusammenzubringen.

Auch wenn viele Kursanbieter aufgrund von Corona keine Notarztkurse anbieten, es gibt einige weitere Anbieter wie das DRK-Bildungszentrum in Düsseldorf, die mit einem ähnlichen Hygiene- und Sicherheitskonzept ebenfalls den 80-Stunden-Kurs anbieten.

Notarztkurs.com: Wie dürfen wir uns das genau vorstellen? Was hat sich verändert durch die Corona-Pandemielage?

Daniel Marx: Das kann ich pauschal und dauerhaft gültig gar nicht beantworten, da sich die Situation ständig verändert und das Organisationsteam ständig die Maßnahmen an die aktuelle Situation anpasst. Hierbei stehen wir alle auch immer im engen Austausch mit den Gesundheitsämtern und Ärztekammern am jeweiligen Kursort.
Vielleicht kann ich einige Beispiele skizzieren, was wir in den vergangenen Monaten alles verändern mussten: Zunächst haben wir die Frage gestellt, welche Teile des Kurses persönlich vor Ort, quasi Hands-On, unterrichtet werden müssen und welche auch digital vermittelt werden können.
So wurde der Notarztkurs in eine digitale Theoriephase und eine Praxisphase vor Ort getrennt. Dabei läuft die Theorie zwar online ab, bildet jedoch dieselben Inhalte und den gleichen Umfang ab wie unser Unterricht in Präsenz. Dozenten und Teilnehmer befinden sich nun eben gemeinsam in einem virtuellen Raum und nicht mehr physikalisch vor Ort in einem Raum. Ansonsten ist alles gleich - Nachfragen sind weiterhin möglich, Präsentationen können gezeigt werden, Fragen von Dozenten an die Teilnehmer und umgekehrt sind möglich. Das klappt erstaunlich gut und hat das Risiko einer Ansteckung während des Kurses schon einmal erheblich reduziert.
Die verkürzte Präsenzphase vor Ort ist nur möglich, da wir regelmäßig die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen an die aktuelle Situation angepasst haben. So stellen wir natürlich allen Teilnehmern, Dozenten und Beteiligten täglich FFP-2-Masken zur Verfügung.
Der Praxis-Unterricht findet in gleichbleibenden Kleingruppen statt und wir versuchen, Dozentenwechsel so stark wie möglich zu reduzieren. Letzteres ist nicht immer möglich, da es Spezialthemen wie z. B. die Geburt gibt, die nicht jeder Dozent vermitteln kann.
Darüber hinaus haben wir alle Beteiligten vor Beginn der Praxisphase für einen Antigen-Test abgestrichen und werden ab dem kommenden Kurs sogar tägliche Schnelltests durchführen. Ob und welche Auswirkungen die vollständigen Impfungen, die mittlerweile viele Teilnehmer haben, Auswirkungen auf die Maßnahmen haben, prüfen wir gerade.

Notarztkurs.com: Das hört sich nach viel Aufwand an. Sind das alle Anpassungen, die Sie vorgenommen haben?

Daniel Marx: Das waren einige Beispiele. Wir mussten sehr viel im Detail anpassen. So musste z. B. das didaktische Konzept der veränderten Kursstruktur angepasst werden oder das Organisationsteam musste eine Lösung für das Mittagessen finden, das nun im Seminarraum in der Kleingruppe mit Abstand und meist bei geöffnetem Fenster stattfindet. Solche und ähnliche Anpassungen gibt es noch zahlreiche. Sie alle aufzuzählen würde wahrscheinlich den Rahmen dieses Interviews sprengen. Wir schulen unsere Teilnehmer vor jeder Praxisphase 45 Minuten digital, um eine breite Verständnisbasis zu schaffen. Die Reaktionen und die Mitarbeit der Teilnehmer sind phänomenal. Das klappt echt gut und zumindest ich fühle mich auf den Kursen sehr sicher.

Notarztkurs.com: Können Sie eventuell auch Ärzte ausbilden, die an anderer Stelle keinen Kursplatz bekommen, weil ihr Kurs ausfällt?

Daniel Marx: Wir haben unsere Kurskapazitäten maximal erweitert und bieten dieses Jahr 7 Notarztkurse für jeweils 90 Teilnehmer an. D. h. wir können bis zu 630 Teilnehmer ausbilden, wenn alle Kurse ausgebucht sein sollten. Aktuell sieht es so aus, dass die Nachfrage sehr hoch ist und die Kurse häufig schnell ausgebucht sind. Ende April findet ein ausgebuchter Kurs in Fürth bei Nürnberg statt. Im Kurs im Juni in Düsseldorf sind aktuell noch Plätze frei - wer da teilnehmen möchte, sollte schnell sein. Vielleicht können Sie unter dem Interview einen Link zu unseren Notarztkursen mit platzieren.


Notarztkurs.com: Das machen wir gerne - eine weitere Frage: Zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin sind neben dem 80-Stunden-Kurs (Notarztkurs) laut Weiterbildungsordnung auch 50 Einsätze im öffentlichen Rettungsdienst nötig. Haben Sie Informationen, wie dies in Zeiten von Corona klappt?

Daniel Marx: Das scheint wirklich schwierig zu sein. Viele NEFs dürfen aktuell keine Hospitanten mitnehmen. Ich selbst habe vor Corona eigentlich in jeder zweiten Schicht einen ärztlichen Kollegen, der seine "Einsätze gesammelt" hat, dabeigehabt. Aktuell ist dies nur selten möglich.
Zum Glück steht mittlerweile in fast jeder Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer, dass 25 der 50 Einsätze auch im Simulator möglich sind. Diese Kurse werden NaSim25 Kurse genannt. Und auch diese Kurse, die wie die Praxisphase des Notarztkurses nicht nur systemrelevant sind, sondern auch letztendlich auf eine Prüfung vorbereiten, können mit einem aktuellen Hygiene- und Sicherheitskonzept in Kleingruppen durchgeführt werden.
Wir bieten diese Kurse aktuell mit unserem Partner im DRK Bildungszentrum in Düsseldorf und bei der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin in Fürth an. So können zumindest die Hälfte der Einsätze auch in der aktuellen Situation gesammelt werden.

Notarztkurs.com: Abschließende Frage: Ihre Notarztkurse unterscheiden sich von den anderen am Markt. Können Sie kurz erläutern wie und warum?

Daniel Marx: Gerne - unser selbstgesetztes Ziel war und ist es, den inhaltlichen besten Kurs am Markt anzubieten. Wir fokussieren also darauf, gut ausgebildete, handlungsstabile Notärzte auszubilden. Da sich die Ausbildung des Fachpersonals im Rettungsdienst, also der Notfallsanitäter, in den letzten Jahren noch einmal professionalisiert hat, ist eins unserer Ziele, die Notärzte so zu schulen, dass Sie im Team mit dem Fachpersonal arbeiten können und quasi die gleiche Sprache sprechen.
Hier haben sich international zertifizierte Versorgungsschemata etabliert, die wir - auch im Notarztkurs integriert - vermitteln. So schulen wir zur Traumaversorgung die Teilnehmer mit dem Format ITLS (International Trauma Life Support) und im Bereich Reanimation mit ACLS (Advanced Cardiac Life Support) der AHA (American Heart Association). Mir persönlich liegt das dritte standardisierte Ausbildungsformat, das wir integrieren konnten, sehr am Herzen: Wir schulen die zukünftigen Notärzte auch im Bereich TRM (Team-Resource-Management), um sie handlungsstabil für kritische Situation zu machen. Natürlich erfüllt unser Kurs auch alle Vorgaben des Curriculums der Ärztekammer.
Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Teilnehmer in einem sehr engen Kontakt mit unseren Dozenten stehen und hier von der langjährigen Erfahrung der alle selbst in der Praxis tätigen Dozenten profitieren. Nicht zuletzt wollen wir irgendwie auch alle Spaß bei den Kursen haben, was manchmal und insbesondere bei den Kursen in der Coronazeit manchmal gar nicht einfach ist, uns aber laut Evaluationen der Teilnehmer trotzdem gelingt.


Vielen Dank für das Beantwortung der Fragen. Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Kursteilnehmer und Sie gesund bleiben. Die aktuell trotz Corona stattfindenden Notarztkurse finden Sie auf www.notarztkurs.com in der Rubrik Notarztkurse. Des weiteren hier auch die Links zu den Notarztkursen von MEDI-LEARN und den genannten NaSim25 Angeboten.

Links zu den erwähnten Angeboten:

Notarztkurse bei Notarztkurs.com
Notarztkurse von MEDI-LEARN
Notarztkurse des DRK-Bildungszentrums Düsseldorf

NaSIM25 Kurse in Düsseldorf (DRK Bildungszentrum)
NaSim25 Kurse in Fürth (AGNF)